Privatklinik Bad Zwischenahn
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In Entwicklungsländern existieren Diagnosen von Essstörungen nicht oder nur geringfügig selten. Auch in den reichen Industrieländern sind sie erst seit ein paar Jahrzehnten als Problem zu beobachten. Allgemein gesprochen stellen Essstörungen ein Verhalten dar, mit dessen Hilfe die Betroffenen die an sie von außen herangetragenen Anforderungen und Vorstellungen, zum Beispiel wie "Frau zu sein hat", zu lösen suchen. Es geht aber auch um Probleme und Konflikte in der Familie und mit Geschwistern.
Essen ist etwas Alltägliches. Das Essen stellt ein grundlegendes Bedürfnis des Menschen dar, ehe er sich anderen Aktivitäten widmen kann. Richtig ist auch: Wir essen nicht nur aus Hunger, sondern auch aus Genuss, aus Freude am Essen, aus Geselligkeit. Wir essen aber ebenso, um uns zu trösten, um Spannungen abzubauen oder Ängste zu mindern. Noch dazu - und hier beginnen, oftmals noch unbemerkt, die Probleme - stellt das Essen, "Essen-Müssen", "Nicht-Essen-Dürfen" in vielen Familien ein bedeutendes Thema, wenn nicht sogar ein bedeutendes Mittel der Erziehung dar.
Der Übergang von gesellschaftlich akzeptierten Vorstellungen über Ernährung, Schlankheit und Körpergefühl zum gestörten Essverhalten ist fließend. Anzeichen für eine Störung werden von den Betroffenen selbst oft erst spät erkannt. Zum Problem wird Essen dann, wenn der Umgang mit Nahrung außer Kontrolle geraten ist. Viele Menschen quälen sich dann über Jahre hinweg z. B. mit Diäten und rigiden Kontrollversuchen ("Heute esse ich erst am Abend" - "Nie wieder Süßes"). Mit solchen Vorsätzen können sie jedoch nur scheitern, weil diese "Lösungen" wiederum Teil des Problems sind. Eine große Rolle spielt das Bedürfnis nach Kontrolle, bzw. "die Kontrolle loszulassen". Auch hier ist den Betroffenen leidvoll bewusst, dass ihr Verhalten widersinnig ist, sie es aber dennoch nicht lassen können. Dafür schämen sie sich oftmals sehr, empfinden sich nicht als "normal" und verheimlichen ihr Verhalten nach außen. Das führt oft sehr spät zum Aufsuchen kompetenter Hilfe.
Schwere Essstörungen beginnen oft mit Diäten bzw. Diätversuchen und stellen tatsächlich Bewältigungsversuche für massive psychische Schwierigkeiten dar. Innere Konflikte, Beziehungsprobleme und Schwierigkeiten im Umgang mit eigenen Gefühlen werden zunehmend auf der Ebene des Essverhaltens abgehandelt. Das Wenig- oder Über-Essen mit oder ohne Erbrechen wird zum Symptom. Hier sind die Betroffenen meist auf Hilfe von außen angewiesen, um die Hintergründe ihres Verhaltens zu durchleuchten und neue, bessere Denk- und Verhaltensmuster einzuüben.
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