Synergetic Navigation System

Das Synergetic Navigation System (SNS) ist ein internetbasiertes Verfahren zur Abbildung von Veränderungsprozessen. Es erlaubt die Erfassung, Visualisierung und Analyse von Daten, die während laufender Psychotherapieprozesse erhoben werden. Mit dem SNS wird ein Prozess-Feedback auf der zeitlichen Höhe des Geschehens möglich. Es handelt sich um ein Real-Time Monitoring, welches eine unmittelbare, evidenzbasierte Therapieplanung und Therapiesteuerung möglich macht. Die im SNS implementierten Analysemethoden wurden speziell entwickelt, um die Merkmale von Selbstorganisationsprozessen zu identifizieren, wie z.B. Übergänge zwischen Ordnungszuständen eines Systems, kritische Instabilitäten und Veränderungen der Synchronisation zwischen Teilsystemen.

In der Psychotherapie haben sich tägliche Selbsteinschätzungen (bzgl. Wohlbefinden, Symptomerleben, Atmosphäre, Motivation, etc.) bewährt. Für die stationäre Psychotherapie wurde hierfür ein Therapie-Prozessbogen entwickelt, der für den stationären Aufenthalt und gegebenenfalls eine vereinbarte Zeit nach der Entlassung (z.B. für 3 Monate) täglich von den teilnehmenden Patienten ausgefüllt wird. (Eingabezeit insgesamt ca. 10 bis 15 Minuten). Es hat sich weiterhin bewährt, entweder schon im laufenden Therapieprozess oder für die poststationäre Weiterführung des SNS, individuelle Fragebögen mit den Patienten zu entwickeln, die spezifisch auf ihre persönlichen Anliegen und Problembereiche zugeschnitten sind. Die Eingabe erfolgt mittels Fragebögen direkt am Computer.

Neben den quantitativen Skalen können auch kurze Notizen und persönliche Kommentare zu z.B. aktuellen Ereignissen verfasst und am Ende des Aufenthalts als Tagebuch mitgenommen werden. So ergänzen sich qualitative und quantitative Daten zu einem umfassenden Bild. Wenn die Teilnahme am SNS von einem Patienten gewünscht wird, erfolgt zunächst eine ausführliche Aufklärung und individuelle Einschulung durch den Kerntherapeuten. Anschließend finden in ca. 2wöchigen Abständen Reflexionsgespräche zu den erhobenen SNS-Daten mit dem Kerntherapeuten statt, die sich hilfreich auf den Therapieprozess auswirken können. Die regelmäßigen Antworten dienen als zusätzliche Informationsquelle für das therapeutische Team, so dass ein flexibles therapeutisches Vorgehen unterstützt wird, das sich am aktuellen Prozess und Erleben des Patienten orientiert. Weiterhin kann anhand der detaillierten Erfragung der Symptomatik zu Therapiebeginn und Therapieende die Wirksamkeit unserer Arbeit erfasst und verbessert werden.

Schiepek, G. (Hrsg) (2011). Neurobiologie der Psychotherapie. Stuttgart: Schattauer.
Haken, H., Schiepek, G. (2010, 2. Aufl.). Synergetik in der Psychologie. Göttingen: Hogrefe.